Veranstaltungsort

Die TEXTILE ART BERLIN 2006

TEXTILFORUM, Ausgabe 3/2006

Die 2. Auflage dieser Textilkunstmesse fand vom 17. bis 18.6.2006 wieder in der Max-Taut-Schule in Berlin-Lichtenberg statt.

Positives zum Ort ist zu sagen, dass er am östlichen City-Rand liegt, dass der Stadtbezirk eine für Kultur aufgeschlossene Bürgermeisterin hat und dass die Schulleiterin aus dem Gebäude ein kulturelles Stadtteilzentrum machen will. Die Schule und das Schulgebäude werden zur Zeit gründlich renoviert. Der von Max Taut gebaute Komplex, dessen erstes Teilstück 1931 seiner Bestimmung übergeben worden war, ist im Geist der Neuen Sachlichkeit gebaut und sollte drei verschiedene Schulen des umgebenden Arbeiterbezirks aufnehmen. Im Zentrum befindet sich ein Versammlungsraum, der früher einmal 1.100 Personen fasste.

Überwiegend in den Gängen, den Klassenräumen, einem kleinen Saal im Ostflügel und in einem Turnhallenneubau der Anlage untergebracht, spielte sich in diesem Jahr noch das Messegeschehen ab. Die Direktorin hofft für 2007, schon den großen bis dahin renovierten Versammlungssaal für diese Veranstaltung zur Verfügung zu haben. Diese Entwicklungsperspektive muss vorausgeschickt werden, wenn man die Textile Art und ihre Zukunftsperspektiven abschätzen will. Denn zur Zeit  leidet die Veranstaltung unter den räumlichen und baubedingten Restriktionen, die die Renovierung des Gebäudes mit sich bringt.

Dennoch, gegenüber der 1. Auflage hat das Besucherinteresse um 100% zugenommen, wenn auch überwiegend noch von der Ostberliner Seite dominiert. Die Ost- und Westberliner Bevölkerung wachsen entgegen anders lautender Schönrednerei nur sehr langsam zusammen. Umso erfreulicher ist es, dass einige Aussteller und Künstler schon aus ganz Deutschland angereist kamen und man sogar Teilnehmer aus Litauen antreffen konnte. Die Textilabteilung der Kunstakademie Vilnius des Kunstinstituts von Kaunas war einer Einladung der Organisatoren gefolgt und hatte sich an der Textilkunstausstellung im Turnhallenneubau beteiligt.

Woraus bestand die Textile Art 2006?

Es gab rd. 70 Verkaufsstände mit Textilkunst und Zubehör, Informationsstände von Berliner Textil- und Modeausbildungsstätten und dem Berliner Museum Europäischer Kulturen. Ein Kölner Standinhaber, der übewiegend Fachbücher und Fachzeitschriften anbot, war über eine Verdoppelung seines Umsatzes gegenüber dem ersten Mal erfreut. Es fanden sich hier auch die verschiedensten Interessengruppen ein, so z.B. Weben+, die Deutsche Stickgilde, die Patchworkgilde Deutschland, die Landesgruppe Brandenburg-Berlin des Fachverbandes Textilunterricht, die Deutsch-Afghanische-Initiative von Pascale Goldenberg etc.Fünf Ausstellungsbereiche waren vorgesehen, die Hauptausstellung in der erwähnten Turnhalle, die sich leider mit der Bestimmung des Gebäudes und seiner Belichtung schwer tat, ein Ausstellungsbereich in den Fluren und Aufgängen der über zwei Geschosse verteilten Messe, ein Bereich im Gebäude der Cafeteria im Hof der Anlage, ein Klassenraum mit Arbeiten der Textilwerkstatt e.V. von Helga Graupner sowie entlang der Wände des kleinen Versammlungssaales, in dem auch die Modenschauen stattfanden.Fünf dieser Schauen fanden über beide Tage verteilt statt,  neben einer nicht durchgehend überzeugenden "Textile Art Show" mit Unikaten diverser Aussteller, die wie immer überwältigend beeindruckende Modenschau mit "Art Couture" von Pia Fischer, der Schweizer Berlinerin; die Schau "Modedesign und Schnittgestaltung in einer Hand" der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin; die "Papierwelt", mit Papierkleidern der allgemeinbildenden Ernst-Litfaß-Schule in Berlin und "Music goes Fashion", vorgeführt vom Oberstufenzentrum Bekleidung und Mode Berlin.

Weiterhin wurden über 20 Workshops von 17 Kursleiterinnen betreut, die jeweils 2 bis 3 Stunden dauerten. Eine "Flohmarktecke", die besser war als ihr Name klingt, war in einem zweiten Raum des Cafeteria-Gebäudes untergebracht. Der gastgebende Verein der Freunde und Förderer der Max-Taut-Schule veranstaltete eine Tombola, deren Erlöse der Vereinstätigkeit zugute kam.

Berlin wird auch im Jahre 2007 eine Reise wert sein. Die Preise sind hier , z.B. verglichen mit London, wo wir uns eine Woche später aufhielten, extrem niedrig, besonders im Ostteil der Stadt und ganz besonders auf der Textile Art! Den Gastgebern und dem Organisator Galerie in der Victoriastadt sei Dank. Für nähere Informationen siehe die Website http://www.textile-art-berlin.de.

Text: Beatrijs Sterk / Dietmar Laue

Wir danken den Autoren und dem Textilforum (www.etn-net.org ) für die Zustimmung zur Veröffentlichung dieses Artikels.


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