Die TEXTILE ART BERLIN - Premiere und Zukunft einer Messe
TEXTILFORUM, Ausgabe 4/2005
Im Juni 2005 fand an zwei Tagen in den lichtdurchfluteten Räumen und im Garten eines architektonischen Meisterwerks, der denkmalgeschützten Max-Taut-Schule in Berlin-Lichtenberg, die erste TEXTILE ART BERLIN statt. Die ganze Vielfalt der Textilkunst auf der Premiere einer innovativen Messe: Ein Treffen von und mit Textilkünstlern, ein Forum für den Austausch von Gedanken, Erfahrungen und Geschichten. Die Schule, vertreten druch den Verein der Förderer und Freunde der Max-Taut-Schule e.V. und die im September 2004 in Berlin-Lichtenberg eröffnete Galerie in der Victoriastadt gestalteten die Messe als ein kooperatives Experiment. Wir versuchten eine »Marktlücke« zu stopfen, ohne dabei unser Vorhaben dem – der Kunst nicht immer freundlich gesinnten – Marktgesetz zu unterwerfen.
Die Schule stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung und übernahm zahlreiche praktische Arbeiten. Die Galerie in der Victoriastadt erledigte die fachliche Koordinierung, in Zusammenarbeit mit vielen Künstlern und an der Textilkunst interessierten Personen und Verbänden, dem Fachhandel und der Fachpresse.Die Ausstellungen gaben mit rund 200 Exponaten – Unikaten auf höchsten Niveau – ein anschauliches Bild von der Breite und Vielfalt der heutigen Textilkunst. An beiden Tagen wurden Führungen angeboten, mit Erläuterungen zu Technik, Material und Intention der ausgestellten Arbeiten sowie Informationen zur Architektur und Geschichte der im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten Gebäude.Zwei hinreißende Modenschauen, präsentiert von der bekannten Schweizer Modemacherin Pia Fischer, die seit Jahren in Berlin lebt und arbeitet, empfanden viele Besucher als Höhepunkt der Veranstaltung. Im ersten Teil zeigten ihre Models Kleidung und Accessoires verschiedener Aussteller; im zweiten Teil unter dem Thema »Die vier Jahreszeiten« Kreationen von Pia Fischer selbst: Kleider, Hüte, Schirme und Taschen aus so ungewöhnlichen Materialien wie Reißverschlüssen, Knöpfen, Labeln und Krawatten. Unglaublich phantasievolle und gleichzeitig durchaus tragbare Mode.
Daneben boten 17 der 67 teilnehmenden KünstlerInnen eine reichhaltige Palette von Workshops an, von eher traditionellen Themen wie Blütenapplikationen über exotische Techniken, wie das japanische Temari, bis hin zu experimenteller Textilgestaltung. Auch an einigen der siebzig Verkaufsstände, die eine ausgewogene Mischung von »Textile Art« und exzeptionellen Arbeitsmaterialien und -geräten anboten, hatten die Besucher Gelegenheit, Tipps und Tricks in verschiedenen Techniken zu erlernen.
Zusätzlich stellten sich Fachverbände wie die Deutsche Stickgilde e.V., der Deutsche Klöppelverband e.V., die Patchworkgilde Deutschland e.V. sowie Ausbildungseinrichtungen wie Angewandte Kunst Schneeberg (Studiengang Textilkunst) und der Lette-Verein in Berlin auf Info-Ständen vor.
Dank der für eine Messe ungewöhnlichen Räumlichkeiten, dem aufgeschlossenen und wissbegierigen Publikum, dem Engagement und der Experimentierfreude der teilnehmenden Händler und KünstlerInnen sowie dem durchweg hohem Niveau – Resultat eines sorgfältigen Auswahlverfahrens – wurde die TEXTILE ART BERLIN 2005 zu einer Kunstmesse der besonderen Art, die sich durch eine sehr persönliche, fast intime, dabei kommunikative und ausgesprochen freundliche Atmospäre auszeichnete. Besucher, KünstlerInnen und Händler gemeinsam trugen durch ihre Begeisterungsfähigkeit und Offenheit zu einer Stimmung bei, die alle Beteilgten angenehm überraschte.
Trotz dieses großen Erfolges und allgemeiner begeisterter Zustimmung sind uns in der Nachbereitung der Messe natürllch einige Punkte aufgefallen, die wir in Zukunft noch besser machen möchten. Obwohl jedes Experiment Gefahren in sich birgt, ist es uns trotzdem wichtig, den experimentellen Charakter der Veranstaltung beizubehalten und sie weiter zu entwickeln, z.B. durch wechselnde Themenschwerpunkte von Jahr zu Jahr und Rotation der Aussteller und Händler unter Beibehaltung höchsten Niveaus.
Bei der TEXTILE ART BERLIN 2006 wird die junge Generation von Textilschaffenden und Modemachern im Mittelpunkt stehen und im Ausstellungsbereich wird der Schwerpunkt auf Raumobjekten, Skuplturen und Installationen liegen.
Überzeugen Sie sich persönlich davon am 17. und 18. Juni 2006 in Berlin und stimmen Sie sich ein auf unserer ständig aktualisierten Website www.textile-art-berlin.de.
Text: Andreas Friebel, Sybille Heppner-Waldschütz, Christof Wolters
Wir danken den Autoren und dem Textilforum (www.etn-net.org ) für die Zustimmung zur Veröffentlichung dieses Artikels.
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